Systemspezifikation · Vertraulich

Architektur des autarken Schutzes kritischer Areale am Zähleranschlusspunkt

Cyber-physische Härtung von Großanlagen (>100 kWp) am strategischen Flaschenhals — normkonform, autark und autonom.

Projekt „SolarSecure Vision"Version 1.2Herausgeber: IWS Maschineninstandhaltungs- und Wartungs-Service GmbH

Inhalt

  1. Abstract
  2. Teil 1 — Systemspezifikation
  3. 1 · Physische Schicht & Root of Trust
  4. 2 · Cyber-Defense & Sensor-Fusion
  5. Teil 2 — Aktiver Arealschutz
  6. Prozesskette bei Detektion
  7. Teil 3 — Ökonomische Vergleichsrechnung
  8. ROI & Amortisation
Abstract

Moderne Energieerzeugungs- und -verteilungsstrukturen weisen durch hohe Dezentralisierung und den Einsatz fremdgesteuerter Hardware erhebliche cyber-physische Vulnerabilitäten auf. Der Anschlag auf die Berliner Strominfrastruktur im Januar 2026 hat gezeigt, dass rein reaktiver physischer Objektschutz unzureichend ist.

Diese Spezifikation beschreibt das Guardian Gateway als „Man-in-the-Middle"-Sicherheitsaktor, der direkt am strategischen Flaschenhals — der Zähleranschlusssäule (ZAS) — inline integriert wird, um die cyber-physische Härtung von Großanlagen (>100 kWp) normkonform zu realisieren.

+---------------------------------------------------+ | GUARDIAN GATEWAY (ZAS) | | | [WAN-Port] ---> | [WAN NIC (Rot)] | | │ | | ▼ | | [FPGA / DPI-Engine] <──> [Quarantine Sandbox] | | │ (Micro-VM) | | ▼ | [LAN-Port] <--- | [LAN NIC (Grün)] | | | [DMZ-Port] ---> | [DMZ NIC (Gelb)] <──> [SDR / SSTDR / Sensorbus] | +---------------------------------------------------+
Teil 1

Wissenschaftlich-technische Systemspezifikation

1Physische Schicht (Layer 1) & Hardware Root of Trust

Die Kernarchitektur basiert auf der strikten physischen, galvanischen Entkopplung der Datenpfade mittels separater Controller-Chips (keine logischen VLAN-Switches) auf einem industriellen Single Board Computer (SBC) mit NXP i.MX 8M Plus Applikationsprozessor:

Integritätsschutz über TPM 2.0

Die kryptografische Identität des Gateways ist unveränderlich im Silizium eines dedizierten Trusted Platform Modules (TPM 2.0) verankert. Der Boot-Prozess erfolgt über eine kryptografisch signierte Secure-Boot-Chain. Schlägt der Integritätsabgleich der Partitionen fehl, verweigert das TPM den Signaturschlüssel und friert das System ein — Bricked for Safety.

Autarkie im Krisenfall (VDE-AR-N 4100)

Das Netzteil des Gateways wird im netzseitigen Anschlussraum (NAR) vor dem Kundenzähler und vor dem NA-Schutz (Kuppelschalter) an die ungeschaltete Netzseite (Dauerstrom) angebunden. Bei physischer Zerstörung der Netzanbindung überbrückt eine integrierte LiFePO₄-USV die Versorgung des Gateways und aller DMZ-Sensoren unter Vollast für mindestens 30–60 Minuten.

2Software-definierte Cyber-Defense & Sensor-Fusion

Deep Packet Inspection (DPI)

Auf Systemebene analysiert eine Modbus-TCP-Parsing-Engine den Payload des Datenverkehrs in Echtzeit (<1 ms). Steuerbefehle werden auf SunSpec-Registerebene verifiziert. Unsignierte oder unplausible Befehle zur Netzabschaltung (Function Code 0x10 auf kritische Abschaltregister) werden inline gedroppt.

Trassen- und Umkreisüberwachung via SSTDR & Passiv-RF

Spread Spectrum Time Domain Reflectometry (SSTDR): Das Stromkabel und in den Zaun integrierte Sensorleiter werden als Hochfrequenz-Wellenleiter betrieben. Das System injiziert kontinuierlich einen Pseudo-Noise-Code unterhalb des Rauschteppichs. Änderungen des Wellenwiderstandes Z₀ durch Kappen, Sägen oder Verformen verändern die Induktivität L′ und Kapazität C′. Eine Laufzeitmessung (TDR) lokalisiert den Schnittpunkt auf ±5 Meter genau.

Anlassbezogene RF-Forensik (SDR)

Nach Triggerung durch das SSTDR führt ein integriertes Software Defined Radio (SDR) im Frequenzbereich von 400 MHz bis 6 GHz einen passiven Breitbandscan durch, um transmittierte GSM/LTE/5G-Paging-Requests (TMSI/IMSI) sowie Wi-Fi Probe Requests von Endgeräten der Täter im Nahbereich (50–100 m) zu sichern.

Passive Drohnen-Klassifizierung

Der RF-Empfänger scannt permanent nach typischen Frequenzsprungmustern (FHSS) von Drohnensteuerungen (z. B. DJI OcuSync). Autonome Flüge ohne Remote ID (RID) werden detektiert und triggern die Abwehrkette.

Teil 2

Systemerweiterung „Aktiver Arealschutz"

Um großflächige Freifeldanlagen und Umspannwerke gegen die im Berlin-Szenario erprobten Sabotagemuster (Zaundurchtrennung, Brandstiftung) abzusichern, wird das Gesamtsystem um das automatisierte Modul Aktiver Arealschutz erweitert.

SYSTEM-REAKTIONSKETTE [Zaun-SSTDR / MEMS] ──► [Impedanzbruch-Detektion] ──► [Krypto-Blockchain-Eintrag] │ (Latenz <50ms Trigger) ▼ [Hangar / UAV] ───────► [Autonomer Start] ─────────► [Live-Videostream LEO/450MHz] │ ▼ [SDR Breitband-Scan] ─► [TMSI/MAC-Fingerprints] ───► [Echtzeit-OPC-UA-Leitstellenalarm]

Technische Komponenten der Erweiterung

Prozesskette bei Detektion

ZeitVorgang
T = 0 msDie Täter setzen ein Werkzeug am Außenzaun an. Das SSTDR registriert den Impedanzbruch; die MEMS-Sensoren validieren die Frequenzsignatur der mechanischen Trennung. Das Gateway schaltet den Alarm auf Critical.
T < 50 msDas Gateway sendet über den DMZ-Port den verschlüsselten Startbefehl inklusive der TDR-berechneten GPS-Koordinaten des Zaunbruchs an den Hangar.
T + 2 sDer Hangar öffnet sich autonom. Die Drohne startet ohne menschlichen Interventionszwang und fliegt die Schadstelle im High-Speed-Vorausflug an, um den Sektor auszuleuchten und visuell zu erfassen.
T + 5 sZeitgleich startet das SDR den passiven Nahbereichs-Mobilfunkscan zur Täteridentifikation. Sämtliche Telemetriedaten und der Vorfalls-Hash werden revisionssicher in die Permissioned Blockchain geschrieben, um Beweismittel vor lokaler Löschung zu schützen.
T + 10 sDas Gateway initiiert den Alarm-Broadcast über das redundante LEO-Satellitenmodem und das ausfallsichere 450-MHz-Funknetz. Live-Videostream und ermittelte RF-Signaturen (IMEI/MAC) gehen via OPC UA an die Leitwarte des Netzbetreibers und die polizeilichen Lagezentren.
Teil 3

Realistische ökonomische Vergleichsrechnung

Amortisations-Analyse auf Basis des Berliner Sabotage-Szenarios 2026. Die folgende betriebs- und volkswirtschaftliche Bilanz stellt die real dokumentierten Kosten des Berliner Stromausfalls den Implementierungs- und Betriebskosten des erweiterten SolarSecure-Systems gegenüber.

1 · Schadensbilanz des Anschlags (Ist-Zustand)

PositionKosten
Physische Primärschäden (Netzbetreiber)
Zerstörte Starkstromleitung, Notleitungen, Reparatur von Endmasten und Kabelbrücken.
2.100.000 €
Katastrophenschutz & Notstrom
>1.700 mobile Aggregate, Treibstoff-Logistik durch THW & Bundeswehr über mehrere Tage.
1.800.000 €
Wirtschaftliche Folgeschäden (Gewerbe & Institute)
2.200 Betriebe; Probenverlust/Anlagenstillstand (z. B. Adlershof/Landeslabor ~100.000 €), Umsatzausfälle & Warenvernichtung im Kleingewerbe.
4.500.000 €
Staatliche Sofortmaßnahmen
Hotel- & Evakuierungskosten, Aufklärungsprämie des Landes Berlin.
1.200.000 €
Gesamtschadenssumme des Berlin-Szenarios≈ 9.600.000 €

2 · Kosten der technischen Schutzmaßnahme

Kalkulation für die cyber-physische Vollausstattung eines kritischen Netzknotens (Umspannwerk oder Groß-PV-Anlage) inklusive einer Zaunlinie von 2.000 Metern.

Einmalige Investitionskosten (CapEx)

1× Guardian Gateway (Industrie-SBC, FPGA-DPI, TPM 2.0, Sat-Modem)3.500 €
LiFePO₄-Pufferungs-USV inkl. Installation im NAR2.500 €
2.000 m Zaun-SSTDR-Sensorleiter inkl. Auswertungseinheit24.000 €
100× bus-gekoppelte MEMS-Vibrationssensoren inkl. Verkabelung8.000 €
1× Drone-in-a-Box-System (autonomer Hangar + Thermo-UAV)45.000 €
Systemintegration, mTLS-Leitstellenaufschaltung & Kalibrierung12.000 €
Summe CapEx95.000 €

Jährliche Betriebskosten (OpEx)

Rezertifizierung, Software-Updates, Mobilfunk- & Satellitengebühren2.400 €/J
Präventive Hardware-Wartung, Drohnen-Akkutausch (Zyklen-Verschleiß)3.600 €/J
Summe OpEx6.000 €/J

3 · Return on Investment & Risikobewertung

Zur Berechnung des Erwartungswertes nutzen wir die jährliche Risikoexposition (Annual Loss Expectancy — ALE) bei einer moderaten Eintrittswahrscheinlichkeit p = 5 % pro Jahr für einen gezielten Sabotageversuch an der Trasse.

ALE = Schadenshöhe × p

Risikoexposition OHNE SolarSecure

ALEungeschützt = 9.600.000 € × 0,05 = 480.000 € / Jahr

Risikoexposition MIT SolarSecure Active Defense

Durch die unmittelbare Erkennung am Zaun (<50 ms) und die sofortige Drohnen-Intervention wird Brandstiftung oder Kabelkappen im Ansatz unterbunden. Der Schaden begrenzt sich auf mechanische Zaunreparatur und einen Systemcheck (Restschaden ≈ 5.000 €).

ALEgeschützt = 5.000 € × 0,05 = 250 € / Jahr

Netto-Sicherheitsgewinn & Amortisation

G = ALEungeschützt − ALEgeschützt − OpEx
G = 480.000 € − 250 € − 6.000 € = 473.750 € / Jahr
Payback = CapEx / G = 95.000 € / 473.750 €/J ≈ 0,20 Jahre
95.000 €
Erforderliche CapEx
6.000 €
Laufende OpEx p.a.
473.750 €
Risikoschutz p.a.
2,4 Monate
Amortisationszeit
Wissenschaftliches Fazit

Das System hat sich betriebswirtschaftlich nach 73 Tagen amortisiert. Die Verhinderung eines einzigen erfolgreichen Sabotageaktes vom Ausmaß des Berliner Blackouts deckt die Hardware-Schutzkosten von mehr als 100 vergleichbaren KRITIS-Standorten deutschlandweit.

Hinweis: Der Berlin-Anlassfall dient als empirische Grundlage; die ausgewiesenen Schadens- und Kostenwerte sind szenariobasierte Schätzungen. Der Einsatz von SDR-RF-Erfassung, autonomen Drohnenflügen (Remote-ID / Luftrecht) und Mobilfunk-Identifiern (TMSI/IMSI) unterliegt in Deutschland behördlichen und rechtlichen Auflagen und ist je Standort gesondert zu prüfen.